09.12.07
Eine Woche Uni…
Ja, eine Woche Uni habe ich jetzt hinter mir und es brauchte nicht lange, bis ich festgestellt habe, dass das Unileben hier ein wenig anders läuft als in St. Gallen. Ich vermisse mein St. Galler Niveau und meine St. Galler Freiheiten!!
Der Alltag hier ist bestückt mit Anwesenheitspflichten und Noten für mündliche Beteiligung. Für mich: Wunderbar, so spreche auch viel Englisch in den Vorlesungen und nicht nur in der Freizeit! Und bisher haben mich alle hier für mein super Englisch gelobt und gefragt, wo ich das so gut gelernt hätte - meine Antwort: keine Ahnung.
Dazu kommen regelmässige Assignments, d.h. die Abgabe von Papers, gerechneten Aufgaben… Ich fühle mich ein wenig zurück in meine Schulzeit versetzt, wo uns nicht zugetraut wurde, selbst Verantwortung für unser Lernen zu übernehmen und uns deshalb alles vorgekaut wurde.
Aber: Der Unterricht macht grundsätzlich Spass. Die Studenten sind alle sehr gut drauf, freundlich, und immer für einen Spass zu haben. Und dadurch, dass die Kurse sehr klein sind und der Unterricht interaktiv gestaltet wird, gehen 3 Stunden am Stück schnell vorbei.
Dennoch: Ich habe einen Kurs hier als soziales Studienfach erklärt. Ich bin in einem Erstjahres-Kurs, zusammen mit lauter High-School-Absolventen, die noch keine Ahnung vom Leben haben und darum kämpfen, dass erste Studienjahr an der Uni zu überstehen. Was heisst das? Nun, mündliche Vorbereitungen für den Kurs sind schriftlich bei mehr als der Hälfte der Studenten und die Hand ist durchgehend in der Luft, um mit Sicherheit eine gute mündliche Note zu bekommen. Und das schlimmste: Der Professor billigt dieses Verhalten, lässt Antworten auf Fragen vorlesen und führt eine Strichliste, wer wie oft etwas während des Kurses gesagt hat. Deshalb habe ich diesen Kurs zur sozialen Studie erklärt. Und ich muss sagen: Es ist der lustigste Kurs, den ich habe, denn ich kann immer etwas darüber erzählen.
Und zu aller Beruhigung: Nein, es ist nicht alles so schlimm, wie ich es hier beschreibe. Aber ich habe hier einfach sehr schnell gemerkt, was ich an St. Gallen habe. Und es ist eine gute Erfahrung, mal eine andere Uniform zu sehen.